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Interaktion statt Kulisse

Die Simulationsarena in der P.A.L.M.E. macht Instant Ageing erlebbar.

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Verkehrslärm füllt den Raum, eine Straßenbahn rauscht vorbei, die Fußgängerampel springt auf Grün. Eine ältere Dame überquert mit ihrem Rollator die Straße – aber nicht schnell genug, denn die Ampel zeigt schon wieder Rot. Motorengeräusche, Hupen und Fahrradklingeln ertönen dabei von allen Seiten. Eine solche Szene aus dem Düsseldorfer Straßenverkehr wird zum Teil eines neuen Lehrformats zur Medizin des Alterns in der Simulationsarena der P.A.L.M.E.. Wie sich die eingeschränkte Mobilität im fortgeschrittenen Alter anfühlt und wie stark Altsein die Mobilität, Wahrnehmung und Sicherheit im Alltag beeinflusst, können Medizinstudierende nicht nur anschauen, sondern unmittelbar erfahren.

In der Simulationseinheit, die zukünftig den Querschnittsbereich Medizin des Alterns und des alten Menschen im Studien- und Praxisblock Lebensphasen ergänzt, schlüpfen Studierende mithilfe eines Alterssimulationsanzugs in die Rolle älterer Patient:innen und erleben altersassoziierte Einschränkungen am eigenen Körper. Verringerte Muskelkraft und Beweglichkeit, ein reduziertes Gesichtsfeld, Hör- und Gleichgewichtsstörungen machen aus einer scheinbar einfachen Alltagssituation eine Herausforderung. Eingebettet in eine realitätsnahe Alltagsszenerie wird dabei noch deutlicher, wie sich diese Einschränkungen auswirken können. „Ich habe die Autos optisch nur ganz wenig wahrgenommen, weil man einen Tunnelblick auf die rote Ampel hat“, beschreibt eine Teilnehmerin im Anschluss an den Durchlauf. „Gleichzeitig ist es beängstigend, das drängelnde Hupen zu hören, während man die Straße überquert.“ In der Simulation wird die Umgebung gezielt als zusätzlicher Stressfaktor eingesetzt: Kurze Ampelphasen, Verkehrslärm oder unerwartete Reize erzeugen eine Situation, in der Studierende Entscheidungen treffen und ihre Reaktionen reflektieren müssen.

Neben der Vermittlung medizinischer Inhalte steht besonders das Verständnis für die Lebensrealität älterer Patient:innen im Fokus. Immersive Räume werden häufig genutzt, um realistische Umgebungen zu erzeugen. Entscheidend für den didaktischen Mehrwert ist jedoch die Interaktion mit dieser Umgebung. „Nicht die Kulisse allein, sondern das aktive Handeln innerhalb der Situation macht den Lerneffekt aus“, berichtet Prof. Dr. med. Stefan Wilm, Leiter des Lehrformats. So lassen sich die Erfahrungen aus der Simulation und die gemeinsame Reflexion im Kurs auf den klinischen Alltag übertragen. Empathie, Perspektivwechsel und patient:innenzentriertes Denken wird in den Mittelpunkt gerückt.

Ermöglicht wird die Erweiterung des Lehrformat durch die neue Simulationsarena der P.A.L.M.E., die speziell für realitätsnahe und interaktive Lehr-Lern-Szenarien konzipiert wurde. Drei raumhohe, U-förmig angeordnete Projektionsflächen erlauben eine teilimmersive Darstellung von Szenarien. Ein mehrkanaliges Soundsystem sorgt dafür, dass Geräusche räumlich wahrgenommen werden und aus unterschiedlichen Richtungen wirken. Bilder, Videos, 360-Grad-Material oder externe Quellen sowie Video-, Licht- und Toneffekte lassen sich gezielt einbinden. Zwei Kameras ermöglichen die Beobachtung und Aufzeichnung der Simulationen und bilden die Grundlage für ein videobasiertes Debriefing. Gleichzeitig lässt sich die Technik einfach bedienen, sodass Lehrende mit der Raumsteuerung unterschiedlichste Szenarien unkompliziert in ihre Lehrveranstaltungen integrieren können. 

Die Simulationsarena steht damit exemplarisch für das übergeordnete Konzept der P.A.L.M.E., Lehre, Praxis und Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen und Professionen enger miteinander zu verzahnen. Sie schafft einen Lernort, an dem komplexe Versorgungssituationen realitätsnah und interprofessionell gedacht, trainiert und reflektiert werden können. Die Simulation zur Medizin des Alterns markiert dabei den Auftakt für weitere Lehrformate. Perspektivisch eröffnet die Arena vielfältige Möglichkeiten, bestehende Lehrveranstaltungen weiterzuentwickeln und neue Simulationseinheiten zu konzipieren. Sie versteht sich ausdrücklich als offenes Angebot für Lehrende, die ihre Lehre um erfahrungsbasierte und praxisnahe Elemente erweitern möchten und damit Studierende frühzeitig auf die Herausforderungen der späteren Versorgung vorbereiten.

Bei Interesse an der Entwicklung einer Simulationseinheit wenden Sie sich bitte an das eLearning office medizin (Kontakt: Jochen Ludes unter elearning.medizin@hhu.de).

 

Fotos: Studiendekanat Medizin / Melanie Schrumpf

Autor/in: Clarissa Söhndel
Kategorie/n: Studium und Lehre, Medizinstudium
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