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Famulaturreifekurs

Der Famulaturreifekurs ist eine Besonderheit des Düsseldorfer Curriculum Medizin. Er erstreckt sich über die ersten beiden Studienjahre und vermittelt mit Bezug auf den jeweiligen Themenblock die Grundlagen der ärztlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Die Studierenden werden hierbei selbst an Schauspielpatient:innen oder den eigenen Kommiliton:innen tätig und können sich auf den Umgang mit realen Patient:innen (z.B. im Patientenpraktikum und in den Praxisblöcken) vorbereiten. Sie trainieren die grundlegenden Untersuchungen des Bewegungsapparats, des Abdomens, des Herz- Kreislaufsystems sowie neurologische und HNO-Untersuchungen. Dabei arbeiten sie meist über die gesamte Dauer des Kurses in festen Kleingruppen zusammen und werden von einer studentischen Tutorin oder einem studentischen Tutor begleitet. In dieser geschützten Atmosphäre lernen unsere Studierenden schon frühzeitig, Hemmungen beim Patientenkontakt abzubauen und Untersuchungstechniken zu erproben.

Nach dem erfolgreichen Absolvieren aller Kursteile sowie der Patientenpraktika 1 und 2, erlangen die Studierenden zum Ende des 2. Studienjahres die Famulaturreife und dürfen ab dann die in der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO) vorgeschriebenen Famulaturen ableisten.

Auf dem Weg hin zu empathischen Ärztinnen und Ärzten

Neben dem Erlernen und Üben der Untersuchungstechniken gehört auch die Erfahrung, untersucht zu werden, zu den wichtigen Lernschritten auf Ihrem Weg zum Arzt oder zur Ärztin. Diese persönlichen Erfahrungen sind unerlässlich, um eine empathische Grundhaltung zu entwickeln, die Patient:innen unabhängig von religiösen und kulturellen Unterschieden würdigt. Der einfühlsame, professionelle Umgang mit dem Körper eines anderen Menschen zählt zu den sozialen und ethischen sowie kommunikativen Kompetenzen, die im Rahmen der Kompetenzorientierung des Düsseldorfer Curriculum Medizin vermittelt werden. Die professionelle Ebene muss sich dabei von persönlichen, z.B. kulturellen, religiösen oder sexuellen Standpunkten abgrenzen. Diese dürfen in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen. Wir wissen, dass dies für manche Studierende eine Herausforderung darstellt. Wir ermutigen unsere Studierenden jedoch, sich in Vorbereitung auf den späteren Teil ihres Studiums und ihre spätere kurative Tätigkeit dieser persönlichen Herausforderung zu stellen und in dem geschützten Rahmen, den der Famulaturreifekurs bietet, Vorbehalte abzubauen und Sicherheit für sie selbst und ihr Handeln zu erlangen. Gerne stehen wir unseren Studierenden auf ihrem Weg hin zu einer kompetenten Ärztin oder einem kompetenten Arzt unterstützend zur Seite.

Aufbau und Inhalte des Famulaturreifekurses

In festen Gruppen von etwa zehn Personen erlernen die Studierenden an sich selbst und aneinander die grundlegenden praktischen Fähigkeiten körperlicher Untersuchung. Die Anamneseerhebung trainieren sie an realen Patient:innen.

Die Dozierendenrolle nimmt dabei ein:e studentische Tutor:in aus einem höheren Fachsemester ein, die im Vorfeld von Fach:ärztinnen jedes Semester neu trainiert wurden und die Gruppe in der Regel durch alle Themenblöcke begleitet. Die kleinen Gruppen und die geschützte Lernatmosphäre bieten die Möglichkeit zur individuellen Weiterentwicklung.

Der Famulaturreifekurs ist fest in die Themenblöcke der ersten beiden Studienjahre integriert und inhaltlich mit ihnen verzahnt. Er findet vom Themenblock "Der menschliche Körper: Fokus Bewegung" bis einschließlich des Themenblocks "Reproduktion, Entscheidung und Alterung" statt und bildet Anamnese- und Untersuchungstechniken in folgenden Fachbereichen ab:

Untersuchung der Haut und des Bewegungsapparats, insbesondere der Gelenke
Der menschliche Körper: Fokus Bewegung (TB 2)

Kenntnisse von aktueller Anamnese, Schmerzanamnese, Arbeits- und Sozialanamnese sowie der vegetativen Anamnese
Molekulare Architektur des Lebens (TB 3)

Orientierende neurologische Untersuchung, HNO-Untersuchung und allgemeine Untersuchung des Sehapparates:
Nervensystem und Sinne (TB 4)

Untersuchung des Abdomens:
Ernährung, Verdauung und Biogenetik / Innere Organe (TB 5)

Untersuchung des Herzens und des Gefäßsystems:
Blut, Herz und Kreislauf (TB 6)

Untersuchung des Thorax / der Lunge sowie Venenpunktion:
Atmung, Homöostase, Leistung (TB 7)

Kenntnisse der Sexualanamnese:
Reproduktion, Entscheidung und Alterung (TB 8)

Diese Anamnese- und Untersuchungstechniken bilden die Grundfertigkeiten eines jeden ärztlichen Handelns ab und sind von höchster Relevanz. Die Vielfalt des Bewegungsapparates können z.B. nur verstanden werden, wenn man möglichst viele Menschen unterschiedlicher Statur und unterschiedlichen Geschlechts untersucht. Der Famulaturreifekurs bietet diese Möglichkeit in einer geschützten Atmosphäre.

Die Techniken, die im Famulaturreifekurs erworben werden, sind die Grundlage für die Patientenpraktika 1 und 2 und die Famulaturen, die ab der vorlesungsfreien Zeit nach dem 4. Semester abzuleisten sind. Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an den Kurseinheiten ist darüber hinaus eine wesentliche Grundvoraussetzung für die Teilnahme an den Praxisblöcken ab dem 3. Studienjahr. Zudem bilden die erlernten Anamnese- und Untersuchungstechniken die Basis für den klinisch-praktischen Teil der Ärztlichen Zwischenprüfung (OSCE) nach dem 3. Studienjahr.

Organisatorisches

Der Famulaturreifekurs findet im Trainingszentrum statt. Für den Famulaturreifekurs im Rahmen des Themenblocks "Der menschliche Körper: Fokus Bewegung" ist Sportkleidung zweckmäßig, welche die betreffenden Regionen des jeweiligen Untersuchungstages erkennen lassen (z.B. eine kurze Sporthose für Untersuchungen an Fuß und Knie). Für neurologische oder Herz- und Lungenuntersuchungen, die in den Kurseinheiten der anderen Themenblöcke integriert sind, ist Badebekleidung (oder für Frauen ein Sport-BH) sinnvoll. Zum Umziehen stehen vor Ort Umkleiden zur Verfügung.

Rückfragen und Probleme

Studierende, die sich in Ihrer Gruppe unwohl fühlen, möchten wir motivieren, dies zunächst in der Gruppe zu klären. Aber auch die erfahrenen Tutor:innen, die betreuenden Dozierenden oder die Organisator:innen stehen bei Rückfragen oder Problemen jederzeit zur Verfügung. Gegen einen Tausch der Gruppe haben wir bei einer festen Tauschpartnerin oder einem festem Tauschpartner keine Einwände.

Verantwortlichkeit: